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13-09-2003 Verschiedenes
Fliegen Russen und Amerikaner gemeinsam zum Mars?
( MOSKAU ) Russische Fachleute zweifeln nicht daran, dass ein gemeinsamer Flug von Russen und Amerikanern zum Roten Planeten durchaus real ist. Die Kosten für eine russische Mars-Mission werden von Experten auf zehn Milliarden US-Dollar geschätzt.

Eine vom Weißen Haus eingesetzte Kommission hat in den USA ihre Tätigkeit aufgenommen. Zum Februar kommenden Jahres soll das Gremium Präsident George W. Bush darüber informieren, wie sich die Amerikaner in den nächsten 20 bis 30 Jahren auf bemannte Flüge zu anderen Planeten vorbereiten sollten.

In der ehemaligen Sowjetunion waren die ersten konkreten Pläne für interplanetare Flüge im Mai 1962 erstellt worden, als mit der Umsetzung des sowjetischen Mond-Programms begonnen wurde. Seitdem konzipierten Wissenschaftler anhand von Daten, die bei den Langzeitflügen an Bord der Orbitalkomplexe "Saljut" und "Mir" gewonnen wurden, einige prinzipiell neue Programme interplanetarer Flüge.

Von allen Planeten des Sonnensystems ist gerade der Mars für die Wissenschaftler beider Länder wie auch der ganzen Welt von größtem Interesse. Es geht darum, dass auf der Mars-Oberfläche beachtliche Eismengen nachgewiesen wurden, was die Existenz wenn auch elementarster Lebensformen nicht ausschließt.

Wissenschaftlern, die in der Antarktika arbeiteten, war es gelungen, Mikroorganismen wiederzubeleben, die seit 2800 Jahren unter einer 19 Meter dicken Eisschicht eines Sees eingefroren waren! Wenn Bakterien unter derart extremen Bedingungen überleben können, so lässt das hoffen, dass lebende Organismen auch in anderen Teilen des Sonnensystems existieren. Wenn es gelingt, Lebensmerkmale auf anderen Planeten nachzuweisen, wird die gegenwärtige Theorie des exterrestrischen Ursprungs des Lebens auf der Erde einen gewaltigen Impuls erhalten.

Den nationalen Mars-Projekten von Russland und den USA stehen aber gewisse Hindernisse im Wege, die jedoch leicht überwunden werden könnten, falls die beiden größten Weltraummächte ihre Anstrengungen konsolidierten.

Das Haupthindernis für das amerikanische Mars-Programm ist - erstaunlicherweise - die Internationale Orbitalstation ISS selbst, die immense finanzielle und organisatorische Anstrengungen abverlangt. Dank russischen "Sojus"- und "Progress"-Raumschiffen konnte das ISS-Programm zurzeit stabilisiert werden. Die Station setzt ihren Flug im bemannten Regime, dem einzig für sie möglichen Regime, fort, obwohl Skeptiker in Amerika wie auch in Russland nach dem Untergang der US-Raumfähre "Columbia" eine unvermeidbare Konservierung der ISS prophezeit haben. Von einer normalen Arbeit an Bord der Station ist bei weitem noch keine Rede. Deshalb werden sich die USA gezwungen sehen, das Schwergewicht auch in Zukunft auf das ISS-Programm zu legen.

Aber auch in technischer Hinsicht ist um die amerikanische Mars-Mission nicht alles gut bestellt. Eines der Hauptprobleme interplanetarer Flüge ist die Wahl der Triebwerke für die Raumschiffe. "Der Einsatz gegenwärtiger Strahltriebwerke kann mit der Erschließung des Wilden Westens unter Einsatz von Pferdefuhrwerken verglichen werden", meinte NASA-Chef Sean O'Keef.

Das von den Amerikanern für den Mars-Flug gewählte Elektro-Nuklear-Triebwerk auf der Basis der Spaltung von Plutonium-238 muss noch ernsthaft vervollkommnet und umfassend erprobt werden. Von einer 100-prozentigen Sicherheit der Besatzung und eines Raumschiffes mit einem Atomreaktor an Bord ist gar keine Rede.

Ein anderes Problem besteht darin, dass die amerikanischen Astronauten im Unterschied zu ihren russischen Kollegen keine ausreichenden Erfahrungen beim Bau von Lebenserhaltungssystemen für Langzeitflüge und bei Montagearbeiten im All haben. Die NASA plant 500- bis 1000-tägige Expeditionen an Bord der ISS erst ab dem Jahr 2012, während der russische Raumfahrer Valeri Poljakow bereits im Jahr 1995 mit 437 Tagen im Orbit einen Rekord aufgestellt hat.

Das russische Raumfahrtprogramm ist mit einem ernsthaften Problem konfrontiert, und zwar einem chronischen Geldmangel. Trotzdem bleibt das Potenzial der russischen Raumfahrt sehr hoch und macht es möglich, Projekte bemannter interplanetarer Flüge auszuarbeiten und experimentell zu bestätigen.

Die Gesellschaft "Energija", eines der führenden Raumfahrtunternehmen Russlands, hatte im Jahr 2000 die Entwicklung einer bemannten Mars-Orbitalstation - MARPOST - abgeschlossen. Die Station mit einem Gesamtgewicht von etwa 400 Kilogramm setzt sich aus einigen Grundelementen zusammen: Wohnblock, Triebwerk, Solarzellen und automatischer Landekapsel, mit deren Hilfe Muster von Mars-Gestein an Bord der Station gebracht werden sollen, die sich in einer Mars-Umlaufbahn befindet.

Die Strecke zwischen der Erde und dem Mars soll MARPOST in etwa zweieinhalb Jahren zurücklegen. Die Triebwerke sollen maximal zuverlässig sein. Ein Prototyp eines solchen Triebwerks wurde in Russland bereits konstruiert und wird an Fernmeldesatelliten erfolgreich erprobt. Es geht um das so genannte Elektrostrahl-Triebwerk, dem das Ausstrahlen elektrisch geladener Teilchen des Gases Xenon zugrunde liegt.

bei russland.RU
• Der Mars kommt (27.8.2003)
•  ISS kann ohne russische Hilfe nicht auskommen (22.7.2003)
•  USA setzen russische Isotope in Mars-Landerobotern ein (19.7.2003)
•  Russland und Europa erforschen die Venus (16.7.2003)
MARPOST soll einige hundert verhältnismäßig kleine derartige Triebwerke haben, die gebündelt werden. Nach Ansicht des „Energija"-Chefkonstrukteurs Leonid Gorschkow würde die „MARPOST-Besatzung kaum einem größeren Risiko ausgesetzt sein als bei Flügen im erdnahen Raum".

Die von russischen Experten genannte Summe von zehn Milliarden Dollar ist um die Hälfte geringer als für die amerikanische Mars-Mission erforderlich ist. Wenn die beiden Länder ihre Anstrengungen vereinen, kann eine russisch-amerikanische Besatzung nach Ansicht von „Energija"-Fachleuten in etwa zehn Jahren eine MARPOST-Kapsel auf der Oberfläche des Roten Planeten landen. (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA-"Nowosti")



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