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09-09-2003 Verschiedenes
Russland und die WM in Paris
Die dieser Tage in der französischen Hauptstadt zu Ende gegangene Weltmeisterschaft in der Leichtathletik hat gezeigt, dass die "Königin des Sports" in Russland nach wie vor zahlreiche Ritter hat. Den russischen Leichtathleten gelang es, nach der Zahl der gewonnenen Medaillen die amerikanische Mannschaft zu übertreffen.

Wenn man in Betracht zieht, dass es sogar der UdSSR-Auswahl nicht oft gelungen war, die amerikanischen Leichtathleten zu besiegen, die im Laufe von vielen Jahrzehnten als die stärksten der Welt gegolten hatten, so ist der Erfolg der heutigen russischen Mannschaft unerwartet. Wodurch wurde er möglich, wenn in vielen anderen Sportarten, wie Fußball, Basketball, Eishockey und Gewichtheben, eine unverkennbare Verschlechterung der Ergebnisse im Vergleich zu den sowjetischen Zeiten offenkundig ist, und die Trainer sowohl über fehlende normale Bedingungen für die Arbeit als auch über das Fehlen begabter Neulinge lamentieren.

Die Talente fallen nicht vom Himmel, nach ihnen muss gesucht werden. Wenn beispielsweise die Fußballtrainer nicht nach ballbegeisterten, spielbegabten Jungen zu schauen und es vorziehen, mittelmäßige Spieler im Ausland zu kaufen, so suchen die Leichtathletiktrainer beharrlich nach jungen und talentierten Sportlern. Gerade dank dieser Suche waren in der Russland-Auswahl solche Sportler wie Tatjana Tomaschowa, Juri Borsakowski, Sergej Makarow und Anastasia Kapatschinskaja, die zu Helden der Pariser Weltmeisterschaft wurden. Das in der UdSSR existierende System der Ausbildung von entwicklungsfähigen Sportlern in Kinder- und Jugendsportschulen und in Sportvereinen, das in vielen Sportarten zerstört worden war, blieb in der Leichtathletik erhalten. Erfahrene Trainer aus sowjetischen Zeiten arbeiten auch heute effektiv und erfolgreich, übernehmen das Beste aus den früheren Erfahrungen aus und führen zugleich die moderne Methodik ein.

Heute hängt vieles von der Finanzierung der Sportarten ab. Die Fußballer und die Basketballspieler zum Beispiel können ohne große Sponsoren schon nicht mehr existieren, doch die Leichtathleten kommen durchaus ohne sie zurecht. Wie der Trainer der russischen Nationalmannschaften in der Leichtathletik, Valeri Kulitschenko, bestätigt, stellt der Staat große Mittel für die Unterstützung des Trainings von Spitzensportlern bereit.

Mehr noch. Das staatliche Komitee für Körperkultur und Sport stellte Geldpreise für Medaillengewinner bei den Weltmeisterschaften bereit, die ein zusätzlicher Stimulus für die Sportler waren. Wer den ersten Platz belegte, bekam 6000 Dollar (und sein Trainer - 3000 Dollar). Für den zweiten Platz gab es 3000 Dollar (Trainer - 1500 Dollar) und für den dritten Platz - 1500 Dollar (Trainer - 1000 Dollar). Außerdem erhielten die Medaillengewinner der Weltmeisterschaften bedeutende Prämien auch von der Internationalen Leichtathletik-Föderation, so dass das Prinzip der materiellen Interessiertheit bei einem erfolgreichen Abschneiden keine geringe Rolle gespielt hat. Man darf aber auch nichtmaterielle Stimuli nicht vergessen, denn der Sieg macht den Sportler zum Liebling und Stolz der Nation. Und dies ist nicht minder wichtig als Geld.

Eine Art moralisches Doping ist auch die Unterstützung durch den Präsidenten. Wladimir Putin stiftete die sogenannten Präsidentenstipendien, die den besten Sportlern des Landes gezahlt werden, die hervorragende Ergebnisse bei den größten internationalen Turnieren bei den Erwachsenen und den Jugendlichen erzielt haben. Die Höhe eines solchen Stipendiums beträgt 15 000 Rubel (etwa 500 Dollar). Ein solches Stipendium beziehen auch die berühmten Sportler vergangener Jahre. (Valeri ASRIJAN, Kommentator bei RIA "Nowosti")

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