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21-08-2005 Moskau Aktuelles
Moskau wird von Ausländern umgebaut
In Moskau bereitet sich eine chinesische Gesellschaft auf die Errichtung des höchsten Bauwerks Europas vor. Dieses Projekt ist aber nicht nur wegen der Dimensionen des Gebäudes bemerkenswert.

Russische Bauleute werden dabei erstmalig mit ihren chinesischen Kollegen zusammenarbeiten. Einstweilen noch wird in der russischen Presse ein einziges Projekt - der Bau zweier Wolkenkratzer vom Komplex "Föderation" auf dem Gelände des künftigen Geschäftszentrums Moskau-City - diskutiert. Es ist aber ganz offensichtlich, dass dies erst der Anfang ist.

Als Pionier auf dem russischen Markt fungierte China State Construction Engineering Corp - eine der größten in China. Der Gesamtwert der von CSCEC seit ihrer Gründung 1982 abgeschlossenen Verträge beläuft sich auf 77,6 Milliarden US-Dollar, von denen 30 Prozent auf internationale Verträge entfallen. Der Umsatz der Gesellschaft beträgt 66 Milliarden US-Dollar.

Laut Plan wird der Komplex "Föderation" aus zwei Wolkenkratzern bestehen. Dabei sollen auf dem Gelände des Komplexes Räume für Offices, Appartements, Hotels und ein Handels- und Unterhaltungszentrum gebaut werden. CSCEC verpflichte sich, die 85-geschossige Anlage mit einer Gesamtfläche von 340 000 Quadratmetern in zwei Jahren zu errichten.

Analytiker von der russischen Gesellschaft Vesco Realty sind überzeugt, dass andere chinesische Bauschaffende nicht lange auf sich warten lassen werden, wenn die Erfahrungen von CSCEC in Russland positiv ausfallen. Auch die russische Presse behauptet, dass der Vertrag zwischen CSCEC und Mirax Sity, der russischen Gesellschaft, die als offizieller Auftraggeber für den Turmhaus "Föderation" fungiert, der erste, aber nicht der letzte sei. Chinesische Firmen werden in Zusammenarbeit mit den Russen schon in der nächsten Zukunft zwei weitere Hochhäuser in Moskau und St. Petersburg errichten.

Nebenbei gesagt, ist das große Interesse ausländischer Bauleute für den russischen Immobilienmarkt nicht zufällig. In der Hauptstadt Russlands besteht bereits seit mehreren Jahren das Sonderprogramm "Neuer Moskauer Ring", das die Errichtung von rund 200 Gebäuden mit mehr als 30 Stockwerken vorsieht. Alle diese Bauten sollen nach Spezialentwürfen errichtet werden. Sie werden praktisch in allen Moskauer Bezirken liegen. Bekannt ist bereits auch der Baukostenvoranschlag - 2,5 Milliarden US-Dollar. In Moskau gibt es vieles zu bauen und auch Platz zum bauen. Dazu noch hat sich in der ersten Hälfte 2005 eine neue Tendenz abgezeichnet. Den Immobilienhändlern fällt es immer schwerer, bequeme und geräumige Bauplätze für neue Gebäude im Zentrum von Moskau zu finden. Heute setzt aktive Erschließung von alten Industriezonen und Elitegeschäftszentren ein, die in der Nähe des Stadtrandes gelegen sind.

Übrigens regt nicht nur das Vorhandensein freier Bauplätze die Ausländer dazu an, nach Russland zu kommen. Der russische Markt für Büro-Räume entwickelt sich bereits seit etlichen Jahren ungestüm. Obwohl die Zahl der ihrer Bestimmung übergebenen Räume in der ersten Hälfte 2005 um vier Prozent über dem Stand des Vergleichszeitraums des Vorjahres lag, geht der Anteil der freien Räume nach wie vor zurück. Während diese Kennziffer noch am Anfang des Jahres 2005 für die Räume des höchsten Niveaus 3,1 Prozent betrug, so ging sie Ende Juli auf 2,4 Prozent zurück. Der Anteil der freien Räume niedrigerer Klasse ist auf 6,4 Prozent zurückgegangen. Zugleich wächst der Preis der Räume, die zum Verkauf angeboten werden.

Im Ergebnis sind in Russland allein in der ersten Hälfte von 2005 bekannte Firmen aus dem Bereich der Planung, Projektierung und Management für kommerzielle Hochhäuser erschienen - die Gesellschaften Hellmuth-Obata-Kassabaum (HOK), Skidmore, Swanke, Hayden Connel Architects. Und es ist nur natürlich, dass ihnen andere ausländische Baugesellschaften folgten. Darunter auch chinesische Bauleute.

Ein Zeugnis von den ernsten Absichten der chinesischen Bauleute auf dem russischen Immobilienmarkt legt nicht nur ihre Teilnahme an der Errichtung des Turmbaus "Föderaion" ab. Wie Maxim Karapetow, Sprecher von Vesco Group, mitgeteilt hat, demonstriert das Erscheinen ausländischer Gesellschaften wesentliche Änderungen, die sich auf dem Moskauer Markt der Geschäfts-Immobilien vollzogen haben. Aus seiner Sicht sei er viel attraktiver geworden. Heute setzen potentielle internationale Spieler bei der Erschließung unseres Marktes sogar die Verwaltungsressourcen ein. Karapetow ist überzeugt, dass die chinesische CSCEC den Vertrag mit Russen über den Bau des attraktiven Turmgebäudes im Komplex "Föderation" nicht ohne Beistand ihrer Regierung abschließen konnte. (Alexander Jurow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).