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03-12-2004 Barentsregion
45 Jahre atomare Zivilschifffahrt in Russland
Die Zivilatomflotte Russlands wird an diesem Freitag 45 Jahre alt. Ihre Geschichte reicht in den 3. Dezember 1959 zurück, als die Staatsflagge am weltersten Atomeisbrecher „Lenin" gehisst worden war.

„Der Atomeisbrecher hatte im Laufe von 30 Jahren niemandem einen Anlass gegeben, seine einzigartigen Möglichkeiten der Überwindung von Eishindernissen unter rauhen Bedingungen der Arktis zu bezweifeln", sagte ein Gesprächspartner der Agentur Ria Novosti.

Er hob hervor, dass sowjetische Konstrukteure und Schiffbauer es vermocht hatten, ein Schiff zu entwickeln, das eine lange Forschungs- und Experimentalerprobung nicht gefordert hatte und von der ersten Fahrt zu einer normalen Betriebstätigkeit bereit gewesen war.

Im Oktober 1961 landete man zum erstenmal von Bord der „Lenin" auf der Eisscholle der driftenden Station „Nordpol-10F" im Raum der Wrangel-Insel.

Im Mai 1971 absolvierte das Atomschiff zum erstenmal in der Geschichte der Arktiserschließung eine Fahrt nördlich von allen Inseln Eurasiens - aus Murmansk nach dem Fernen Osten.

Im April 1976 geleitete die „Lenin" das Motorschiff mit dieselelektrischem Antrieb „Pawel Ponomarjow" zur Halbinsel Jamal, wo Güter zum erstenmal auf dem Festeis ausgeladen wurden, so dass die arktische Navigation drei Monate früher als gewöhnlich eröffnet wurde.

Andere Atomeisbrecher, die nach der „Lenin" gebaut wurden, haben auch merkliche Leistungen.

Im August 1977 erreichte das neue Atomschiff der zweiten Generation „Arktika" zum erstenmal den geographischen Punkt des Nordpols, was früher keinem Überwasserschiff gelungen war.

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Dank den Atomschiffen wurde die Navigationsperiode in der Arktis von fünf auf zehn Monate verlängert. Der Umfang der Gütertransporte im Winter vergrößerte sich auf das 36fache.

Im Mai 1978 wurde die ganzjährige Schifffahrt auf der Linie Murmansk-Dudinka für die Sicherung von Gütertransporten des Kombinats in Norilsk, einem großen Hüttenindustriezentrum in Sibirien, jenseits des Polarkreises, mit Hilfe der Atomeisbrecher „Sibir" und „Lenin" sowie des Eisbrechers „Kapitan Sorokin" eingeleitet.

1987 absolvierte der Atomeisbrecher „Sibir" eine Fahrt in hohen Breiten mit einer in der Geschichte der arktischen Seefahrt präzedenzlosen Mehrzweck-Forschungsexpedition. Das Atomschiff nahm die Mitglieder der Forschungsstation Nordpol-27 von der driftenden Eisscholle an Bord, eröffnete die Station Nordpol-29 und erreichte den Nordpol zu Forschungszwecken.

Im August 1990 brachte das Atomschiff „Rossija" zum erstenmal ausländische Touristen zum Nordpol. In den letzten Jahren absolvieren die Atomschiffe „Sowjetski Sojus" und „Jamal" regelmäßig bis zu fünf solche Fahrten im Sommer.

„Russland, das die längste Arktisküste der Welt hat, hatte bei der Erschließung von reichen Naturressourcen keine andere Wahl gehabt, als eine Flotte zu bauen, die unter den rauhesten Bedingungen eingesetzt werden könnte. Und 45 Jahre ihres stabilen Einsatzes bekräftigten, dass diese Strategie sich gerechtfertigt hatte", sagte man in der Murmansker Seereederei.

Laut dem Gesprächspartner der Agentur wird der erste Atomeisbrecher „Lenin" rekonstruiert und in ein Museum für die Erschließung der Arktis und des Nördlichen Seeweges umgebaut. Geplant wird, dass die „Lenin" ab November 2005 ewig vor Anker liegen wird. Es wird in Aussicht genommen, an Bord des Schiffes neben dem Museum ein analytisches Informationszentrum für Strahlungssicherheit und ein Business-Zentrum einzurichten. (RIA)