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Flattr this 17-01-2004 Barentsregion
Norwegen und Rußland arktische Nachbarn
Nach der Russischen Revolution im Jahre 1917 und dem anschließenden Bürgerkrieg war die russisch-norwegische Grenze für siebzig Jahre praktisch geschlossen. Erst nach der Machtübernahme durch Michail Gorbatschow im Jahre 1985 wurden die alten traditionellen Beziehungen zwischen Norwegern und Russen im hohen Norden ganz allmählich wiederaufgenommen. Die Bildung der "Barentsregion" oder "euro-arktischen Region" im Jahre 1993 hat den Rahmen für eine Intensivierung dieser Kontakte in modernisierter Form geschaffen.

Von Jens Petter Nielsen

Grundpfeiler der norwegisch-russischen Beziehungen in alten Zeiten war der Pomorhandel der Küstenhandel mit den Russenschiffern, der seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert hatte. (Das Wort "Pomor" ist vom russischen Wort "pomorje" abgeleitet und bedeutet "Küstenland".) Die wirtschaftlichen Vorteile für das Fylke * Finnmark und andere Gebiete Nordnorwegens können kaum überschätzt werden. Die norwegisch-russischen Beziehungen in jener Zeit waren jedoch vielfältig und brachten natürlich auch Spannungen mit sich, vor allem in Verbindung mit dem Wettbewerb um Fischvorkommen.

In Studien zu diesem Thema findet man gewöhnlich die Auffassung, der Pomorhandel habe seinen Ursprung in den Fischfangaktivitäten der Russen vor der Küste von Finnmark, von dem zum ersten Mal um rund 1740 berichtet wird. In den folgenden Jahren nahm der Umfang dieser Aktivitäten kräftig zu, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts betrieben die Russen Fischfang so weit westlich wie im Gebiet der Insel Sørøya in West-Finnmark. Man nimmt an, daß die Russen damals begannen, einen Teil des Schiffsproviants an die entlang der Küste von Finnmark lebenden Norweger und an die Küstensamen (Samen = offizieller Name der Lappen) zu verkaufen. Die örtliche Bevölkerung war besonders am Roggenmehl der Russen interessiert, und die Russen ihrerseits hielten das für so vorteilhaft, daß sie sich auf diesen Handel konzentrierten und dazu übergingen, von den Fischern in Finnmark Fisch zu kaufen. Durchaus denkbar ist, daß der Pomorhandel auf diese Weise zustande kam. In bezug auf die genaue Datierung herrscht jedoch Unsicherheit. Einigen Experten zufolge begann dieser Handel vor 1740. In Ost-Finnmark handelte die Bevölkerung schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit den Russen, und Anfang des 18. Jahrhunderts kamen russische Fischerboote auch nach West-Finnmark.

Strenggenommen war der Handel mit den Russen ungesetzlich, da Bergener Kaufleute das Handelsmonopol in Finnmark hatten. Im 18. Jahrhundert übernahmen Kopenhagener Kaufleute den Handel in Finnmark, der sich jedoch als unrentabel erwies. Stagnation und Rezession prägten den Landesteil über weite Strecken des 18. Jahrhunderts, und die Behörden drückten ein Auge zu, weil der Handel mit den Russen dazu beitrug, das lebenswichtige Problem zu lösen, die Bevölkerung Finnmarks mit ausreichend Getreide zu versorgen. Ein weiterer großer Vorteil des Handels mit den Russen war, daß er im Sommer stattfand. In der warmen Jahreszeit konnte Fisch nicht zum Trocknen aufgehängt werden, ohne daß er von Maden angegriffen wurde. Die Russen aber nahmen ab, was kein anderer haben wollte. Sie kauften den Fisch roh und salzten ihn an Bord ihrer Schiffe. Auf diese Weise konnten die nordnorwegischen Fischer Fisch sogar in der "Madensaison" von Mitte Juli bis Mitte August verkaufen.

Der Handel in Finnmark wird freigegeben

Die Regierung in Kopenhagen sah mit der Zeit ein, daß ihre merkantilistische Handelspolitik fehlgeschlagen war, und 1787 faßte sie den Beschluß, den Handel in Finnmark freizugeben der Pomorhandel wurde also zum ersten Mal legalisiert. In Hammerfest und Vardø wurden Handelsstationen eingerichtet, und die Pomoren erhielten das Recht, mit den Kaufleuten in den Städten und den fahrenden Händlern an deren Handelsposten an den Fjorden Handel zu treiben. Ab 1796 durften die Pomoren auch ohne Vermittlung der Kaufleute direkt mit der Bevölkerung Handel treiben - allerdings nur in der "Madensaison". Der Pomorhandel gewann jedoch aufgrund seiner Bedeutung immer mehr an Boden, und mit der Zeit reichte er weit über die eigentliche "Madensaison" hinaus. Es war viel logischer, die Bevölkerung des nördlichen Landesteils mit Mehlerzeugnissen aus Nordrußland statt aus Kopenhagen zu versorgen. Außerdem konnten die Russen das waldarme Finnmark mit Bauholz, fertig zurechtgesägten Planken und mit Birkenrinde beliefern. Zu den übrigen eingeführten Waren gehörten Hanf und Tauwerk, Leinwand, Segeltuch und Eisenwaren.

Andererseits herrschte im nördlichen und nordöstlichen Rußland großer Bedarf an Fischereierzeugnissen. Das lag nicht etwa daran, daß es im Meer um die Halbinsel Kola nicht genügend Fisch gegeben hätte; Ursache war vielmehr eine unterentwickelte russische Fischereiwirtschaft. An der Nordküste der Halbinsel gab es keine ständige Besiedlung, aber Pomoren vom Weißen Meer waren jahrhundertelang in jedem Frühjahr über die Kola-Halbinsel an die Murmanküste gelangt, um hier Saisonfischerei zu betreiben. Die Kosten für so ausgedehnte Reisen waren erheblich, und die Fischereisaison an der Murmanküste war wesentlich kürzer als die in Nordnorwegen. Im 19. Jahrhundert gaben immer mehr Pomore ihre Fischereiaktivitäten auf und begaben sich statt dessen nach Finnmark, um Fisch einzukaufen, den sie zollfrei nach Rußland einführten und mit hohem Verdienst auf dem Markt von Archangelsk umsetzten. Später dann wurde der Fisch auf den russischen Flüssen landeinwärts befördert und an die Inlandbevölkerung verkauft, wo große Nachfrage herrschte.

Aus norwegischen Quellen wissen wir, daß um 1840 jährlich 300 bis 350 Pomorboote die norwegischen Fylker Finnmark und Troms erreichten; russische Quellen sagen, die Pomorflotte habe 1870 aus etwa 400 Schiffen unterschiedlicher Größe bestanden. Sowohl in Norwegen als auch in Rußland betrachteten die Behörden den Pomorhandel als positiv, da er einem großen Teil der Bevölkerung in der Gegend von Archangelsk Einnahmen und Überschüsse brachte. Unterstrichen wurde dabei, daß die Pomorschiffe die einzige rein nationale Flotte Rußlands darstellten und daß diese ohne staatliche Unterstützung und Subventionen aufgebaut worden war. Auf diese Weise sind es in erster Linie die positiven Aspekte des Pomorhandels und der Beziehungen zwischen Norwegern und Russen im Norden, die sich in der Volkskunde und der Literatur beider Länder widerspiegeln.

Gegenseitiges Misstrauen

Gleichzeitig herrschte jedoch in der Pomorzeit zwischen Norwegern und Russen ziemlich viel gegenseitiges Mißtrauen. Das sicherheitspolitische Risiko der umfassenden Kontakte zwischen den Bevölkerungen im Norden wurde in regelmäßigen Abständen von hohen Regierungsbeamten erörtert. Die Norweger und die Schweden fragten sich, ob die russische Regierung den Pomorhandel nicht dazu nutzen werde, ihren Einfluß in Nordnorwegen zu verstärken und mit der Zeit die Abtretung von Territorium in dieser Region zu fordern. Allgemein war man nämlich der Auffassung, Rußland ursprünglich nur Binnenmarkt habe einen starken Drang in Richtung Weltmeere, und daß diese Großmacht im Osten über die eisfreien Häfen in Nordnorwegen einen direkten Zugang zum Atlantik bekommen könnte.

























Normalerweise wird eine Staatsführung versuchen, ihre eigenen Grenzgebiete zu konsolidieren, bevor sie sich bereit fühlt, neues Land zu gewinnen. Das schlagendste Argument gegen die Auffassung, die Russen hätten den Wunsch gehabt, sich norwegisches Territorium anzueignen, ist natürlich das, daß die Russen praktisch von ihrem eigenen nördlichen Territorium aus Zugang zu eisfreien Häfen hatten, und zwar an der Nordküste der Halbinsel Kola, der sogenannten Murmanküste, die im Westen an Ost-Finnmark und Norwegen grenzt. Hätten die Russen im Norden einen Marinestützpunkt anlegen wollen, war es völlig unnötig, sich mit den Kosten für die Eroberung fremden Territoriums zu belasten.

Eine "von Rußland ausgehende Bedrohung" Nordnorwegens hat in Wirklichkeit wohl kaum jemals existiert. Das Problem läßt sich in sein Gegenteil verkehren: War es nicht vielmehr Norwegen, das eine Bedrohung für Nordrußland darstellte? Es gibt tatsächlich Grund zu der Annahme, die russische Regierung habe sich erst in dem Augenblick für Rußlands eigene Nordgebiete zu interessieren begonnen, als sie an eine von norwegischen Interessen ausgehende Bedrohung glaubte. In den Jahren unmittelbar nach dem Krimkrieg (1853-55) war Rußlands Einstellung zu Norwegen eindeutig positiv. Der Ausgang des Krieges hatte die Russen peinlich auf die Rückständigkeit ihres Landes aufmerksam gemacht, und in Nordrußland war man der Überzeugung, man habe von den Norwegern viel zu lernen. Nach 1840 hatte im norwegischen Finnmark eine atemberaubende Entwicklung stattgefunden Dampfschiffahrtslinien, Telegraf, Wege usw. , und nicht zu übersehen war, daß Wohlstand und Entwicklung in Nordnorwegen wesentlich weitergekommen waren als in Nordrußland.

Als der in Christiania akkreditierte russische Generalkonsul Mechelin im Jahre 1858 die nördlichen Gewässer aufsuchte, erstaunte ihn der Kontrast zwischen Ost-Finnmark, wo es von Leben und Aktivitäten förmlich brodelte, und der Murmanküste, die einsam und verlassen dalag. Es war nur gut dreißig Jahre her, daß quer durch das ehemalige norwegisch-russische Gemeinschaftsgebiet eine feste Staatsgrenze gezogen worden war (1826). Merkwürdig war dabei, daß eine solche Grenzziehung ein ehemaliges gemeinschaftliches Gebiet in zwei völlig verschiedene, fremde Welten verwandeln konnte. Mechelin meinte, der Unterschied lasse sich nur dadurch erklären, daß seitens der beiden Regierungen unterschiedliche Anstrengungen gemacht würden. Er schlug vor, auf russischer Seite eine seßhafte Kolonie aus tüchtigen Russen zu gründen. Auf diese Weise werde man hier ein ebenso wohlgeordnetes und wohlhabendes Gemeinwesen schaffen können wie das auf norwegischer Seite.

Norwegische Immigration

Der Gouverneur von Archangelsk bezweifelte jedoch, daß die Pomoren sich aus eigenem Antrieb an der Murmanküste niederlassen würden. Sein Rat war daher, auch den Norwegern zu erlauben, sich hier anzusiedeln, so daß sie den Russen mit gutem Beispiel vorangehen würden. In dieser Beziehung bewies der Gouverneur eine beachtliche Weitsicht: Die ersten, die bei den russischen Behörden einen Antrag auf Niederlassung an der Murmanküste stellten, waren tatsächlich ein paar norwegische Familien im Jahre 1859. Ihrem Wunsch wurde unter der Bedingung entsprochen, daß sie die russiche Staatsangehörigkeit annehmen würden. So wurden die Norweger nicht nur zum Vorbild; sie spielten auch bei der Entwicklung der Murmanküste eine höchst aktive Rolle.

Im Laufe der Jahre immigrierten immer mehr Norweger, und hinzu kam ein kräftiger Strom von Neusiedlern aus dem Großfürstentum Finnland. Die liberale Einwanderungspolitik der Regierung beruhte zweifellos auf einem echten Interesse, die wirtschaftlichen Ressourcen der Region zu entwickeln. Die Immigration von Norwegern und Finnen in ein im übrigen unbewohntes Grenzgebiet wurde in weiten Kreisen jedoch mit Skepsis und Beunruhigung betrachtet. Man befürchtete ganz einfach, die Murmanküste könne zu einer Verlängerung Norwegens werden. Ebenso störend war die Tatsache, daß norwegische Fischerboote anfingen, vor der Murmanküste Fischfang zu betreiben, und daß nordnorwegische Fangschiffe auf der Suche nach Robbe und Walroß bis in den Osten ans Weiße Meer und nach Nowaja Semlja vorstießen. Die Pomoren, die hier von alters her Fang betrieben hatten, waren der Meinung, sie seien von den Norwegern verdrängt worden.

Die norwegischen Fischer in der Arktis hatten einen deutlichen Vorsprung vor den Pomoren, indem sie die Saison früher beginnen konnten. Die norwegischen Boote konnten die Fanggebiete nämlich bereits Ende April oder Anfang Mai über die eisfreie Fahrrinne entlang der Murmanküste erreichen, während die Russen bis zum Aufbrechen des Eises im Weißen Meer warten mußten. Das heißt, sie konnten Nowaja Semlja nicht vor Anfang Juni oder frühestens Ende Mai erreichen. Zu der Zeit hatten die Norweger die besten Fangplätze besetzt und waren in vollem Gange. Informationen des schwedisch-norwegischen Konsulats in Archangelsk zufolge waren in der Fangsaison des Jahres 1870 am Fischfang bei Nowaja Semlja um die achtzig bis neunzig norwegische Boote beteiligt und nur acht russische, und es ist keine Übertreibung, daß die Norweger in den darauf folgenden Jahren im Treibeisgebiet westlich von Nowaja Semlja ziemlich alleinherrschend waren. Neben ihrem eigentlichen Geschäft arbeiteten sie kartographisch. So war es denn eine kleine Sensation, als es dem Tromsø-Schiffer Edvard Johannesen als erstem in neuerer Zeit gelang, die Nordspitze von Nowaja Semlja zu umsegeln. Die Behörden in St. Petersburg waren darauf eingestellt, Norwegern gegenüber behutsam aufzutreten, um Gegenmaßnahmen zu verhindern, die die zur Gewohnheit gewordenen Rechte der Pomoren in Finnmark beeinträchtigen könnten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Arktis jedoch international immer interessanter. Andere Nationen wie etwa Schweden, England und Deutschland begannen, in russischen Gewässern wirtschaftlich und wissenschaftlich tätig zu werden. Aufgrund von Zusammenstößen und Rivalisierung zwischen diesen Ländern im Hinblick auf den völkerrechtlichen Status der Inselgruppen Svalbard und Nowaja Semlja sowie der Bäreninsel entwickelte sich ganz von selbst eine aktivere russische Politik. Die russische Regierung war gezwungen zu entscheiden, ob sie die in Wirklichkeit als russisch betrachteten Besitzungen behalten wollte oder nicht. Die veränderte Einstellung kam unter anderem deutlich durch das größere Interesse zum Ausdruck, die Arktis und die Murmanküste zu erforschen sowie durch die Gründung einer neuen Administrationsstadt im Jahre 1899 Alexandrowsk (heute Poljarnyj) am Kolafjord. Andererseits arbeitete der Gouverneur von Archangelsk systematisch daran, Nowaja Semlja zu kolonisieren, und zwar zunächst mit Nenezen (Samojeden) und dann mit Russen, die versuchen sollten, auf der Insel zu überwintern, um Rußlands Souveränität über das Gebiet über allen Zweifel zu erheben. Um der Bedrohung zu begegnen, die norwegische Fischer und Robbenfänger darstellten, wurde 1893 an der Murmanküste das erste russische Kriegsschiff stationiert. Im Sommerhalbjahr patrouillierte es vor der Küste, im Winter aber lag es im Hafen entweder von Archangelsk oder von St. Petersburg.

Vorbehaltlose Unterstützung Norwegens

In späteren Jahren unternahm Rußland Anstrengungen, die Beziehungen zu seinem Nachbarn im Norden zu verbessern. In diesem Sinne unterstützte Rußland sein Nachbarland Norwegen vorbehaltlos bei der Auflösung der Union zwischen Norwegen und Schweden im Jahre 1905 und war die erste Großmacht, die Norwegen als souveränen Staat anerkannte. Rußland spielte auch eine aktive Rolle bei den Verhandlungen, die zum sogenannten Integritätsabkommen von 1907 führten, mit dem die europäischen Großmächte gemeinsam Norwegens Integrität als selbständiger Staat garantierten. Durch ihr Auftreten nahmen die Russen den Behauptungen in der schwedischen Presse den Wind aus den Segeln, Rußland wolle die Unionsauflösung zur Durchsetzung einer Grenzregelung im Norden nutzen.

Vom russischen Gesichtspunkt her war die Grenzfrage von untergeordneter Bedeutung. Weit wichtiger war es, daß Norwegen jetzt vom "deutschfreundlichen" Schweden getrennt war und England keine begünstigte Stellung als Garant für Norwegens Integrität bekommen werde. Die Ereignisse des Jahres 1905 zeigen, daß Rußlands Norwegenpolitik hauptsächlich defensiven Zwecken diente. In diesem Sinne wurde 1907 auch die Unterzeichnung des Integritätsabkommens in der russischen Presse besprochen: Die Tatsache, daß es nun ein neutrales, von den Großmächten garantiertes Norwegen gebe, schließe die Möglichkeit aus, daß ein Dritter die norwegischen Häfen im Norden des Nordpolarmeers besetzen könnte. Gute Beziehungen zu Norwegen seien der beste Schutz vor einer unerwünschten Nachbarschaft in der Nähe von Rußlands verwundbaren Nordgebieten.

Das Verhältnis zwischen Norwegen und Rußland im Norden war in dem in diesem Artikel behandelten Zeitraum also nicht frei von Spannungen. Die Interessengegensätze waren jedoch nicht so groß, daß sie sich nicht nur ohne ernste Konflikte überwinden ließen, sondern sogar in einer Weise, die die Vorstellung von der großen, unverbrüchlichen Freundschaft verstärkte. Eine mögliche Erklärung mag sein, daß die gegenseitigen Auffassungen von Bedrohung der Symmetrie ermangelten. Die "von Rußland ausgehende Bedrohung" Nordnorwegens wurde in höchstem Grad von den norwegisch-schwedischen Zentralgewalten ernst genommen, wobei diese Furcht vermutlich unbegründet war. Die "von Norwegen ausgehende Bedrohung" Nordrußlands war demgegenüber konkreter und sichtbarer, wurde aber von den russischen Zentralgewalten nicht sonderlich ernst genommen. Sie waren offensichtlich der Auffassung, Rußland könne sich eine ungeschützte Flanke im Norden erlauben. Somit stand dieser Zeitraum trotz allem im Zeichen niedriger Spannung, und diese historischen Erfahrungen bilden seit 1917 das Fundament der Politik der norwegischen Regierungen in bezug auf die Nordgebiete.

Der Autor des Artikels, Jens Petter Nielsen (geb. 1949), ist Professor an der Universität Tromsø. Sein Fachgebiet ist das Studium der Nordgebiete. Er hat sich mehrere Jahre lang mit russicher/ sowjetischer Geschichte und Historiographie befaßt und in den letzten Jahren auch mit nordnorwegischer Geschichte. Er arbeitet zur Zeit an einem Buch über norwegisch-russische historische Beziehungen in den Nordgebieten gegen Ende der Zarenzeit.

Anmerkung der Übersetzerin:

*Norwegen ist in 19 "Fylker" gegliedert, die in etwa den deutschen Bundesländern entsprechen, aufgrund ihrer andersartigen Zuständigkeiten jedoch nicht ganz vergleichbar sind.


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